Berlin ist eine Reise wert: re:publica 2012

Berlin ist eine Reise wert: re:publica 2012

Berlin ist ja doch immer wieder eine Reise wert. Erst recht, wenn ein Besuch der re:publica 2012 auf dem Plan steht. Da solche mehrtägigen Veranstaltungen mit derart dicht gedrängtem Vortragsprogramm erfahrungsgemäß ziemlich anstrengend sind, fand ich es sehr angenehm, dass die re:publica am 2. Mai startete und ich einen erholsamen 1. Mai genießen konnte.

Die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln war problemlos und wenn beim nächsten Mal vielleicht noch ein Hinweisschild an der U-Bahnstation ausgehängt wird, findet man den Weg noch etwas leichter. Der Einlass dauerte dann erstmal ein Weilchen, da offenbar viele, wie wir der Meinung waren dass es reicht um kurz nach 10 einzulaufen. ;-)

Leichtsinnigerweise hatte ich mich darauf verlassen, dass es ein funktionierendes WLAN gibt und so hatte ich meinen UMTS-Stick zuhause gelassen. Das sollte sich noch rächen, denn das WLAN funktionierte fast während der gesamten re:publica nicht, oder zumindest nicht stabil. Etwas besser sah es mit der Stromversorgung aus. Auf den "Affenfelsen" (pardon, es heißt offiziell wohl "Würfelpyramide") gab es diverse Steckdosen und dank mitgebrachter Verteilerdosen multiplizierten sich die Stromquellen meistens zu ausreichenden Stückzahlen, wie das folgende Fotos anschaulich zeigt.

Foto: Unverzichtbare Requisiten auf der re:publica: Clubmate, Mehrfachsteckdose, Netbook

 

Nach dem Check-In war erstmal umschauen, orientieren, begrüßen angesagt und so ging es für mich erst um kurz nach 12 mit der Session zum Thema "Barrierefreiheit" los. Es folgte die Diskussionsrunde "Unerhört: Digitale Barrierefreiheit und Partizipation im Netz" . Eigentlich hatte ich da etwas anderes erwartet, eher was über Barrierefreiheit auf Webseiten. Leider konnte ich mangels WLAN nicht auf die re:publica-Webseite zugreifen und mir die Beschreibungen der Themen anschauen, so dass ich hier etwas daneben lag. Trotzdem war das eine interessante Runde. Wie überhaupt die meisten Sessions, die ich besucht habe.

Foto: Das fehlende WLAN auf der gedruckten Twitterwall

Leider war bereits die zweite Session ein Totalausfall. "Kompetenz vor Quote" empfand ich vor allem als Werbeveranstaltung für das neu gegründete Frauen-Business-Netzwerk "Digital Media Women". Schlecht gemacht und schlecht präsentiert, war es mehr als mühsam (akustisch) zu verstehen, was die Damen in dem Video und auf dem Podium eigentlich für eine Botschaft vermitteln wollten. Zum Glück blieb dies der einzige Reinfall.

Es folgte eine kleine Mittagspause mit unterirdischem Essen in der örtlichen Kantine. Die Bulette mit Kartoffelsalat war so unessbar, dass ich sie zurückgehen ließ und der Kartoffelsalat fiel in die Rubrik „der Hunger treib's hinein“. Das war dann auch mein erster und letzter Besuch dieser Einrichtung. An den Folgetagen gab's nur noch mitgebrachte Stullen. ;-)

Nicht wirklich gestärkt ging es dann mit dem sehr interessanten Vortrag von Joerg Heidrich, Justiziar des Heise Zeitschriften-Verlag, zum Thema „Wie Unternehmen unliebsame Berichterstattung im Netz unterbinden“ weiter. Allein dieser ebenso interessante wie kurzweilige Vortrag war schon fast den Aufwand für den Besuch der re:publica  wert. Übrigens: Obwohl es rappelvoll war (siehe nachfolgendes Foto, der Vortragende ist ca. 20 m entfernt, man ahnt rechts den Zipfel von der Leinwand) konnte man den Referenten hervorragend verstehen - geht doch!

Foto: Rappelvoller Vortrag zu Markenrecht vom Heise-Justiziar Joerg Heidrich

Den Abschluss des Tages bildete dann „Finanzblogs: Raus aus der digitalen Nische?!“. Danach war mein Kopf dann so voll, dass die später noch stattfindenden Sessions leider keine Chance mehr bei mir hatten. Ein kurzer Blick noch auf das "ausgedruckte Internet" (die Tweets an der Twitterwall mit dem Hashtag #rp12) und Feierabend.

Foto: die Twitterwall auf der re:publica 2012 mit allen Tweets mit #rp12-Hashtag

Der zweite Tag war für mich thematisch erstmal weniger ergiebig und manche Session, die eigentlich interessant klang, wie die zu „Mozilla Open Video Lab“ kratzte für meinen Geschmack zu sehr an der Oberfläche. Da hat mir der Artikel von Renate Hermmans im Linux-Magazin 4/2012 in kürzerer Zeit doch deutlich mehr gebracht!

Interessant dagegen die Diskussionsrunde über Foodblogs mit Nicole Stich (von der Foodbloggerin zur Kochbuchautorin), Sebastian Dickhaut (vom Kochbuchautor zum Foodblogger zum Multimedia-Foodie), Stevan Paul (vom Koch und Foodstylisten über Foodblogger zum Buchautor und zurück) und Vijay Sapre (Herausgeber des Food-Magazins Effilee, Online-Vorreiter im Foodbereich) – nicht zuletzt auch, weil Foodbloggen zu meinen Hobbies gehört. ;-)

Den Tag abrunden taten dann die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens – der im Gegensatz zu den privaten, die durch Abwesenheit glänzten, gut vertreteten war (ARD, ZDF, BR, NDR, Deutsche Welle) – zum Thema wie politische Fernsehsendungen in sozialen Medien kommentiert werden. Deef Pirmasens (“quer”, BR) und Simone Stoffers ( “extra 3″, NDR) sorgten hier für einen vergnüglichen Abschluss des zweiten Tages.

Am dritten und letzten Tag habe ich mir dann wieder etwas ernsthaftere Themen rausgesucht und war überrascht, was ich über „Crowdfunding“ erfuhr: Wofür es geeignet ist und wofür nicht, wo seine Grenzen sind und dass Europa hier offenbar deutlich weiter ist als die USA, die doch sonst in Finanzdingen häufig eine Vorreiterrolle zu spielen scheinen – wenn auch nicht immer eine positive.

Ebenfalls sehr spannend war Dirk von Gehlens Vortrag „Mashup – Lob der Kopie“ der sich sachlich und kompetent mit dem geltenden Urheberrecht auseinandergesetzt hat und eine zeitgemäße Reform forderte, die statt auf rigoroser Rechtsdurchsetzung auf einer hohen gesellschaftlichen Legitimiation gründet.

Foto: Twitterkommentare zu Vorträgen - Twitterwall auf der re:publica2012

Mein Fazit: Der Besuch hat sich gelohnt. Die technischen Probleme mit dem WLAN waren mehr als ärgerlich und einer solchen Veranstaltung absolut unwürdig. Aber das wurde durch viele interessante Sessions und die interessanten Gespräch am Rand mehr als wettgemacht. Die Atmosphäre war insgesamt sehr angenehm, wozu vor allem auch die vielen netten Leute und fleißigen Helfer beigegtragen haben. Wenn sich wieder die Möglichkeit biete,t werde ich gerne wieder dabei sein.

(Fotos: Martina Rüdiger (@digilotta))